Über die kommunale Energiewende in Heusweiler berichteten die Gemeindewerke Heusweiler GmbH (GWH) und die Ökostrom Saar GmbH in einer Informationsveranstaltung am 27.06.2012 in der Heusweiler Kulturhalle. Bürgermeister Thomas Redelberger begrüßte die interessierten Bürger und wies darauf hin, dass die GWH gemeinsam mit Ökostrom Saar den Ausbau der regenerativen Energieversorgung in der Gemeinde Heusweiler vorantreiben möchte.

Wolfgang Karges, Geschäftsführer der GWH, erinnerte zu Beginn seiner Ausführungen daran, dass die Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima im März 2011 zum Auslöser der „Energiewende“ in Deutschland wurde. Der Bundestag verabschiedete am 30. Juni 2011 ein Gesetzespaket zur Energiewende mit einer Vielzahl von Maßnahmen um bis zum Jahr 2022 aus der Kernenergie auszusteigen und den Ausbau der erneuerbaren Energien zu forcieren.

Im Zuge der beschlossenen Energiewende hat die damalige Regierung des Saarlandes den „Masterplan Energie“ vorgelegt. Dieser Masterplan beschreibt detaillierte Ziele und Maßnahmen für eine zukunftsorientierte Energieversorgung im Saarland.

Im Rahmen dieses Masterplanes wurden für das Saarland eine Windpotentialstudie und eine Solarpotentialanalyse erstellt.

Aus der Windpotentialstudie ergibt sich, dass Wind- und Flächenpotential vorhanden ist, um einen erheblichen Anteil des benötigten Energiebedarfs mit der Nutzung der Windenergie abzudecken. So sind unter anderem auch geeignete Flächen in der Gemeinde Heusweiler vorhanden.

Auch die Solarpotentialanalyse zeigt, dass Flächen für die Solarstromerzeugung vorhanden sind.

Auf der Basis der Solarpotentialanalyse hat der Regionalverband Saarbrücken eine sogenannte Machbarkeitsstudie für Photovoltaik-Freiflächenanlagen (PV-FFA) erstellen lassen. Dabei wurde untersucht, ob in den Städten und Gemeinden des Regionalverbandes Flächen vorhanden sind, die zum Bau von PV-FFA geeignet sind. Das Ergebnis zeigt, dass in der Gemeinde Heusweiler acht Flächen mit einer Größe von insgesamt 45,9 ha entlang der Autobahn A 8 vorhanden sind, auf denen PV-FFA errichtet werden könnten. Die Flächen befinden sich links der Autobahn A 8, Fahrrichtung Neunkirchen, und reichen von Obersalbach bis nach Numborn/Mangelhausen. Würde man alle ausgewiesenen Flächen mit PV-Anlagen bebauen, käme man auf eine Leistung von insgesamt 27.000 kWpeak und einem Stromertrag von insgesamt 24,3 Mio. kWh. Das Investitionsvolumen läge bei 56 Mio. €. Bei einem jährlichen Stromverbrauch von 112 Mio. kWh in Heusweiler (Stand 31.12.2010) könnten mit dem Bau der PV-Anlagen ca. 22 % dieses Strombedarfs durch Solarenergie abgedeckt werden. Da diese Flächen aber überwiegend im Privateigentum sind und teilweise auch als Vorranggebiete für die Landwirtschaft ausgewiesen sind, ist es fraglich, so Wolfgang Karges, ob alle Flächen zum Bau von PV-FFA genutzt werden können. Voraussetzung ist somit auch, dass die betroffenen Grundstückseigentümer bereit sind, mit der GWH langfristige Pachtverträge abzuschließen. Lehnen die Grundstückseigentümer dies ab, können auch keine PV-FFA gebaut werden.

In Heusweiler sind laut Windpotentialstudie drei Flächen geeignet, auf denen Windkraftanlagen gebaut werden könnten. Es sind jeweils eine Fläche in der Gemarkung Obersalbach-Kurhof, eine in der Gemarkung Kirschhof und eine in der Gemarkung Numborn. Klaus Nägler von Ökostrom Saar, mit der die GWH eine Kooperation zur Windkraft- und Sonnenenergienutzung in der Gemeinde Heusweiler geschlossen hat, wies in seinen Ausführungen darauf hin, dass auf jeder dieser Flächen eine Windkraftanlage vom Typ Vesbas V112 gebaut werden könnte. Die drei Windkraftanlagen, die jeweils eine Nabenhöhe von 140 m und eine Leistung von 3 MWh haben, könnten im Jahr ca. 21 Mio. kWh Strom produzieren. Bei einem jährlichen Stromverbrauch eines 2-Personen-Haushalts von ca. 3.400 kWh könnten ca. 6.100 Haushalte in der Gemeinde Heusweiler mit Strom aus Windkraftanlagen versorgt werden.

Derzeit lässt der Regionalverband Saarbrücken ein Landschaftsbildgutachten erstellen. Dieses Gutachten soll Aufschluss darüber geben, ob in den Städten und Gemeinden des Regionalverbandes aufgrund des Landschaftsbildes überhaupt Windkraftanlagen gebaut werden können. Falls die Gutachter zum Ergebnis kommen, dass das Landschaftsbild in der Gemeinde Heusweiler durch den Bau der Windräder nachhaltig gestört wird, werden keine Windräder gebaut, so Wolfgang Karges. Sollte der Bau jedoch möglich sein, dauert es noch ca. zwei Jahre bis die Windkraftanlagen gebaut werden können. Zuvor müssen alle baurechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden.

Des Weiteren informiert Wolfgang Karges bei dieser Veranstaltung auch darüber, was im Bereich erneuerbarer Energien bisher bereits auf den Weg gebracht wurde. So wurden unter anderem in der Gemeinde Heusweiler bis zum 31.12.2012 insgesamt 311 PV-Anlagen auf Dächern mit einer Leistung von 3.532 kWpeak installiert, die insgesamt 3 Mio. kWh Strom erzeugen. Davon haben die Gemeinde Heusweiler acht Anlagen, mit einer Leistung von 125 kWpeak und die GWH sechs Anlagen mit einer Leistung von 200 kWpeak gebaut.Der überwiegende Teil der Anlagen wurden von Privatpersonen errichtet. Bezüglich Elektromobilität, gehört die Gemeinde Heusweiler beim Forschungsprojekt „e-Mobil-Saar“ des saarländischen Umweltministeriums zu den sogenannten 10 Kick-Off-Standorten. Dabei soll im September 2012 an der Saarbahnhaltestelle in Heusweiler „Am Markt“ eine Ladestation für Elektrofahrzeuge und zwei Elektrofahrzeuge zur Verfügung stehen. Darüber hinaus beteiligt sich die GWH am Projekt „e-Velo Saar“ der Tourismuszentrale des Saarlandes und bietet vier Elektrofahrräder zum Mieten an.

Im Herbst wird es eine weitere Informationsveranstaltung geben, in der die Bürger über den aktuellen Stand informiert werden. Transparenz und Akzeptanz sind für uns sehr wichtig, so Wolfgang Karges. Es werden keine Entscheidungen getroffen, die nicht die Zustimmung der Bürger von Heusweiler finden. Bei Zustimmung soll auch den Bürgern die Möglichkeit gegeben werden, sich an den geplanten Investitionen finanziell zu beteiligen.

Die GWH möchte gemeinsam mit den Bürgern in ein klimafreundliches, versorgungssicheres und dezentrales Energiesystem investieren.


Geplante Windkraftanlage in der Gemarkung Obersalbach


Geplante Windkraftanlagen in den Gemarkungen Kirschhof und Numborn